Henrozwei Bücher über den Shikoku-Henro

Shikoku Henro · Nachschlagen

Glossar

Japanische Begriffe des Shikoku-Henro und der buddhistischen Tempelpraxis – terminologisch kontrolliert, nach Themen geordnet, mit Kanji.

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Statuen des Bodhisattva Jizō am Pilgerweg

01

Pilger und Verehrung

Der Henro sowie Kōbō Daishi, Buddhas, Bodhisattvas und Myōō, die an den Tempeln verehrt werden.

Henro / Ohenro-san

遍路・お遍路さん

Bezeichnung für den Shikoku-Pilgerweg (Henro-michi) und zugleich für den Pilger, der ihn geht. Der Weg verbindet 88 Tempel auf der Insel Shikoku auf rund 1.200 Kilometern. Ohenro-san ist eine respektvolle Anrede für einen Pilger.

Kūkai

空海

Buddhistischer Mönch (774–835), der die Shingon-Schule in Japan begründete. Im Jahr 921 verlieh Kaiser Daigo ihm den Ehrentitel Kōbō Daishi.

Kōbō Daishi

弘法大師

Ehrentitel des Mönchs Kūkai. Beim Shikoku-Henro wird Kōbō Daishi als geistiger Begleiter jedes Pilgers verehrt.

Odaishi-sama

お大師さま

Ehrerbietige und vertraute Bezeichnung für Kōbō Daishi.

Amida Nyorai

阿弥陀如来

Der Buddha des unermesslichen Lichts und Lebens. Amida Nyorai ist der Buddha des westlichen Reinen Landes Sukhāvatī und wird auch an mehreren Tempeln des Shikoku-Henro verehrt.

Fudō Myōō

不動明王

Einer der fünf Myōō des esoterischen Buddhismus. Fudō Myōō verkörpert unbeirrbare Entschlossenheit und die Überwindung der Unwissenheit. Seine Darstellung trägt ein Schwert und ein Seil.

Jizō

地蔵

Jizō ist der japanische Name des Bodhisattva Kṣitigarbha. Er gilt als Beschützer von Kindern, Verstorbenen und Menschen auf Reisen. Seine Statuen stehen häufig am Henro-michi.

Mahāvairocana / Dainichi Nyorai

大日如来

Zentraler Buddha des Shingon-Buddhismus. Dainichi Nyorai verkörpert die allumfassende Wirklichkeit und steht im Mittelpunkt der beiden Mandalas des Shingon.

Shakyamuni

釈迦如来

Der historische Buddha Siddhartha Gautama, auf dessen Lehre die buddhistischen Traditionen zurückgehen. Der japanische Name Shaka Nyorai bedeutet Buddha Śākyamuni.

Yakushi Nyorai

薬師如来

Der Medizin-Buddha. Seine Gelübde verbinden Heilung mit dem Weg zur Befreiung. Yakushi Nyorai ist der Honzon mehrerer Tempel des Shikoku-Henro, darunter Jōruri-ji, Tempel 46.

Hibutsu

秘仏

Ein verborgenes buddhistisches Verehrungsbild. Ein Hibutsu bleibt den Blicken entzogen und wird nur zu festgelegten, mitunter weit auseinanderliegenden Anlässen öffentlich gezeigt.

Altarraum eines buddhistischen Tempels

02

Lehre & Kosmologie

Die doktrinäre Grundlage des Shingon-Buddhismus und des Henro-Leitmotivs.

Shingon

真言

Japanische Schule des esoterischen Buddhismus (Vajrayāna), gegründet von Kūkai im frühen 9. Jahrhundert.

Vajrayāna / Mikkyō

金剛乗・密教

Esoterische Richtung des Buddhismus. In Japan wird für Shingon meist der Begriff Mikkyō verwendet.

Nyūjō

入定

Religiöser Fachbegriff für den Eintritt in tiefe meditative Versenkung. Nach der bis heute lebendigen Glaubenstradition befindet sich Kōbō Daishi im Oku-no-in auf Kōya-san weiterhin in tiefer meditativer Versenkung.

Dōgyō Ninin

同行二人

„Zwei gehen gemeinsam.“ Zentrales Leitmotiv des Shikoku-Henro: Jeder Pilger geht seinen Weg gemeinsam mit Kōbō Daishi. Der Kongō-zue verkörpert diese Begleitung.

Sanmitsu

三密

„Die drei Geheimnisse” des Shingon-Buddhismus: Körper (Mudra/Geste), Sprache (Mantra/Rezitation) und Geist (Mandala/Visualisierung). Vollzug aller drei gilt als Weg zur Buddhaschaft.

Sokushin jōbutsu

即身成仏

„Buddhaschaft in diesem Körper, in diesem Leben.” Zentrales Heilsversprechen des Shingon-Buddhismus. Grundlage für die Sanmitsu-Praxis.

Mandala

曼荼羅

Bildliche Ordnung der buddhistischen Lehre und ihrer kosmischen Zusammenhänge. Im Shingon bilden Kongōkai und Taizōkai ein aufeinander bezogenes Mandala-Paar.

Kongōkai

金剛界

„Diamantwelt”-Mandala im Shingon-Buddhismus. Repräsentiert die erleuchtete Weisheit Mahāvairocanas. Bildet zusammen mit dem Taizōkai die duale Mandala-Kosmologie des Shingon.

Taizōkai

胎蔵界

„Mutterschoß-Welt”-Mandala im Shingon. Repräsentiert das mitfühlende Prinzip der Erleuchtung. Bildet zusammen mit dem Kongōkai die duale Mandala-Kosmologie.

Sati

pāli: sati

Pāli-Begriff für Achtsamkeit und Geistesgegenwart im Theravāda-Buddhismus. Im Glossar erläutert er den religionsgeschichtlichen Hintergrund des Buchprojekts.

Temizuya mit Schöpfkellen

03

Rituelle Praxis

Was am Tempel tatsächlich vollzogen wird – von der Reinigung bis zum Kaidan Meguri.

Gasshō

合掌

Gebetsgeste mit vor der Brust zusammengelegten Handflächen.

Namu Daishi Henjō Kongō

南無大師遍照金剛

Mantra der Daishi-Verehrung. Namu bezeichnet Verehrung oder Zuflucht. Henjō Kongō lässt sich als „alles erhellender Vajra“ wiedergeben.

Gongyō

勤行

Regelmäßig vollzogene buddhistische Liturgie. Im Shingon-Buddhismus kann sie Rezitationen, Verbeugungen und Mantras umfassen und morgens oder zu anderen festgelegten Zeiten stattfinden.

Kaji

加持

Begriff des esoterischen Buddhismus für das wechselseitige Wirken zwischen einem Buddha und dem Menschen. Kaji bezeichnet auch Rituale, in denen ein Priester diesen Beistand vermittelt.

Shōmyō

声明

Melodischer liturgischer Gesang in den buddhistischen Traditionen Japans. Auch im Shingon begleitet Shōmyō Zeremonien und gemeinsame Gebete.

Temizu

手水

Rituelle Reinigung am Chōzuya mit einer Hishaku. Zuerst wird die linke Hand gereinigt, anschließend die rechte und danach der Mund. Das Wasser für den Mund nimmt der Besucher aus der hohlen Hand. Zum Schluss spült er die linke Hand noch einmal und lässt das restliche Wasser über den Griff der Kelle laufen.

Kaidan Meguri

戒壇巡り

Ritueller Gang durch einen vollkommen dunklen Raum oder Korridor in bestimmten Tempeln. Der Pilger orientiert sich tastend und erfährt den bewussten Verzicht auf das Sehen. Ein Kaidan Meguri befindet sich im Zentsū-ji, Tempel 75.

Osuna-fumi

お砂踏み

Ritual, bei dem der Besucher über Sand aus den 88 Tempeln schreitet. Auf diese Weise vollzieht er die Pilgerreise sinnbildlich an einem einzigen Ort.

Osettai

お接待

Freiwillige Gabe an einen Henro, etwa Nahrung, ein Getränk, Geld oder eine Unterkunft. Osettai verbindet Gastfreundschaft mit religiöser Verdiensterlangung. Der Geber richtet seine Gabe sinnbildlich auch an Kōbō Daishi.

Modori-gane

戻り鐘

Bezeichnung für das Anschlagen der Tempelglocke nach dem Gebet oder beim Verlassen des Tempels. In der Henro-Praxis gilt die Rückkehrglocke als ungünstig und wird deshalb vermieden.

Pilgerhut, Pilgerstab und Rucksack

04

Kleidung & Ausrüstung

Was einen Ohenro-san von außen erkennbar macht und was er bei sich trägt.

Hakue

白衣

Weißes Pilgergewand des Henro. Das Hakue kennzeichnet den Pilger und steht für die Ernsthaftigkeit seines Weges. Eine verbreitete Deutung verbindet das weiße Gewand außerdem mit dem traditionellen Totengewand.

Sugegasa

菅笠

Traditioneller geflochtener Pilgerhut als Schutz vor Sonne und Regen.

Kongō-zue

金剛杖

Pilgerstab des Henro und sichtbares Zeichen des Dōgyō Ninin. Er gilt sinnbildlich als Kōbō Daishi und wird deshalb mit besonderem Respekt behandelt.

Wagesa

輪袈裟

Schmale Stola des Pilgers, abgeleitet vom Kesa, dem Gewand buddhistischer Mönche. Zeichen des Pilgerstatus und der Zugehörigkeit zur Praxis des Henro.

Mala / Nenju

念珠

Buddhistische Gebetskette. Der Sanskritbegriff lautet Mālā, die japanische Bezeichnung Nenju oder Juzu. Der Pilger hält sie während des Gebets und der Rezitation in den Händen.

Zudabukuro

頭陀袋

Traditionelle Pilgertasche des Henro. Der Pilger trägt sie über der Schulter oder quer über dem Körper und bewahrt darin etwa Nōkyōchō, Osame-fuda, Gebetsbuch, Nenju, Senkō und Kerzen auf.

Vajra / Kongōsho

金剛杵

Ritualgerät des esoterischen Buddhismus. Der Vajra geht auf eine indische Waffe zurück und steht im Buddhismus für die unzerstörbare Kraft und Klarheit der Lehre.

Niōmon eines buddhistischen Tempels

05

Tore & heilige Orte

Übergänge zwischen profanem und sakralem Raum – Tempeltore ebenso wie Schreine.

Niōmon

仁王門

Tempeltor mit den beiden Niō als Wächtern des Tempelbereichs: Agyō mit geöffnetem und Ungyō mit geschlossenem Mund. Niōmon bezeichnet diese besondere Torform. Sanmon ist eine allgemeinere Bezeichnung für das Haupttor eines buddhistischen Tempels.

Sanmon

山門・三門

Allgemeine Bezeichnung für das Haupttor eines buddhistischen Tempels. Die Schreibungen 山門 und 三門 begegnen in unterschiedlichen historischen und architektonischen Zusammenhängen. Ein Tor mit zwei Niō wird genauer als Niōmon bezeichnet.

Daimon

大門

Wörtlich „Großes Tor”. Bezeichnet ein monumentales Eingangstor eines Tempelbezirks. Markiert den Übergang vom profanen in den sakral strukturierten Raum.

Torii

鳥居

Schreintor im Shintō. Markiert die symbolische Grenze zwischen profanem und sakralem Raum.

Jinja

神社

Shintō-Schrein. Ort der Verehrung von Kami. Strukturell und rituell vom buddhistischen Tempel (tera) zu unterscheiden.

Chōzuya / Temizuya

手水舎

Anlage mit einem Wasserbecken am Eingang von Schreinen und buddhistischen Tempeln. Dort vollzieht der Besucher mit einer Hishaku das Temizu und reinigt vor dem Gebet Hände und Mund.

Hishaku

柄杓

Schöpfkelle am Chōzuya zur Durchführung des Reinigungsrituals (Temizu).

Tempelhof mit Reinigungsbecken

06

Am Tempel

Bauwerke und Gegenstände, die auf den 88 Fudasho wiederkehren.

Fudasho

札所

Bezeichnung für die 88 offiziellen Pilgertempel des Shikoku-Henro.

Hondō

本堂

Haupthalle eines buddhistischen Tempels, in der der Honzon verehrt wird.

Daishidō

大師堂

Halle innerhalb eines Tempelbezirks, in der Kōbō Daishi verehrt wird. Beim Shikoku-Henro besucht der Pilger den Daishidō gewöhnlich nach dem Hondō und spricht dort das Mantra Namu Daishi Henjō Kongō.

Honzon

本尊

Das zentrale Verehrungsbild eines buddhistischen Tempels. Der Honzon zeigt meist einen Buddha oder einen Bodhisattva, an einigen Tempeln auch einen Myōō wie Fudō Myōō. Er unterscheidet sich von Tempel zu Tempel.

Kōya-san

高野山

Heilige Bergregion auf der Kii-Halbinsel und Zentrum des Shingon-Buddhismus.

Shukubō

宿坊

Unterkunft in oder bei einem Tempel, die auch Pilgern offenstehen kann.

Saisen-bako

賽銭箱

Opferkasten für Geldgaben vor Tempeln und Schreinen.

Kōro

香炉

Großes Räuchergefäß vor Tempelhallen, in das entzündete Räucherstäbchen (Senkō) gesteckt werden.

Senkō

線香

Räucherstäbchen, die im Kōro entzündet werden.

Bonshō

梵鐘

Große, meist aus Bronze gegossene Glocke eines buddhistischen Tempels. Sie wird mit einem hölzernen Shumoku an der dafür vorgesehenen Schlagfläche, dem Tsukiza, angeschlagen.

Shumoku

撞木

Waagerecht aufgehängter hölzerner Schlagbalken, mit dem eine Bonshō angeschlagen wird.

Shōrō

鐘楼

Glockenturm eines buddhistischen Tempels, in dem die Bonshō hängt.

Beschriftetes Pilgerpapier

07

Pilgerpraxis & Aufzeichnung

Was der Henro an jedem Tempel hinterlässt, mitnimmt oder abschreibt.

Nōkyōchō

納経帳

Das Pilgerbuch des Shikoku-Henro. Nōkyō bedeutet wörtlich die Darbringung eines Sutras. Nach der Rezitation am Hondō und am Daishidō oder der Abgabe einer Sutraabschrift erhält der Pilger an der Nōkyōsho eine Kalligrafie und die roten Siegel des Tempels. Der Eintrag dokumentiert damit traditionell die religiöse Praxis und den Besuch des jeweiligen Fudasho. Ein Nōkyōchō ist kein gewöhnliches Stempelalbum.

Goshuin

御朱印

Kalligrafischer Eintrag mit roten Siegeln eines Tempels oder Schreins. Seine Geschichte ist mit der Darbringung abgeschriebener Sutren verbunden. Heute wird er meist als Zeichen des Besuchs ausgegeben.

Goshuinchō

御朱印帳

Sammelbuch für Goshuin aus Tempeln und Schreinen. Beim Shikoku-Henro verwendet der Pilger gewöhnlich ein eigenes Nōkyōchō.

O-mie / O-sugata

御影・御姿

Papierbild des Honzon eines Tempels, das der Pilger zusammen mit dem Nōkyō erhält. In der Henro-Tradition gilt das O-mie beziehungsweise O-sugata als bildliche Vergegenwärtigung des verehrten Honzon und wird entsprechend respektvoll behandelt.

Ofuda

御札

Allgemeiner Begriff für einen Segens- oder Schutzzettel aus einem Tempel oder Schrein. Das Ofuda stammt von der religiösen Einrichtung. Das Osame-fuda beschriftet der Pilger selbst.

Osame-fuda

納札

Pilgerpapier, auf dem der Henro Namen, Anschrift, Datum und einen Wunsch eintragen kann. Er legt je ein Osame-fuda am Hondō und am Daishidō in den dafür vorgesehenen Kasten. Nach einem Osettai kann er dem Geber ein Osame-fuda als Dank überreichen.

Nōsatsu-bako / Osame-fuda-bako

納札箱

Sammelbox für die vom Pilger dargebrachten Osame-fuda. Beide Bezeichnungen sind gebräuchlich.

Kyōfuda-bako / Kyōsatsu-bako

経札箱

Box für das Einlegen von Sutra-Kopien (Shakyō) am Hondō und Daishidō. Steht meist neben der Nōsatsu-bako.

Hannya Shingyō

般若心経

Das Herzsutra. Zentrales Sutra des Shikoku-Henro, das an den Tempeln meist rezitiert wird. Kann auch als handgeschriebene oder gedruckte Kopie (Shakyō) dargebracht werden.

Shakyō

写経

Das Kopieren von Sutren als religiöse Praxis. Gilt als verdienstvolle Handlung.

Shakyō-yōshi

写経用紙

Vorgedruckte Vorlage zum handschriftlichen Kopieren des Hannya Shingyō. Wird von Henro zu Beginn der Reise in Pilgerläden erworben und unterwegs ausgefüllt.

Henro-shakyō

遍路写経

Bezeichnung dieses Buchprojekts für eine Shakyō-Vorlage, die auf den Shikoku-Henro zugeschnitten ist. Neben dem Hannya Shingyō enthält sie Felder für Datum, Pilgername und Tempel. Eine solche Vorlage wird im Pilgerladen des Ryōzen-ji, Tempel 1, angeboten.