Henrozwei Bücher über den Shikoku-Henro

Shikoku · 88 Tempel · zwei entstehende Bücher

Der Weg beginntvor dem ersten Schritt.

Zwei Bücher über den Shikoku-Henro: ein Begleiter für den Weg und eine Erzählung über das, was von ihm bleibt.

Zu den Büchern
Blick über ein bewaldetes Flusstal auf Shikoku
Unterwegs auf Shikoku. · Foto: Sebastian Sachs

同行二人Dōgyō Ninin · Zwei gehen gemeinsam

01 · Die Bücher

Zwei Bücher, ein Weg

Pilgerbegleiter

Shikoku Henro – Der eigene Weg

Ein Pilgerbegleiter

Ein kompakter Begleiter für den Weg: Anreise und Etappen, Unterkünfte, der Ablauf an den Tempeln und ein Glossar der wichtigsten Begriffe. Er verbindet eigene Erfahrungen mit den Leitfäden der Pilgervereinigung der 88 Tempel.

Stand: Im LektoratGlossarLernmodul
Hauptwerk

Dōgyō Ninin – Zwei gehen gemeinsam

Eine persönliche Erzählung vom Henro, verbunden mit Essays und einer religionswissenschaftlichen Betrachtung der Praxis an den Tempeln. Das Buch wächst mit dem Weg und wird abgeschlossen, wenn mein Henro sein Ende gefunden hat.

Stand: In ArbeitReisenotizen

02 · Reisenotizen · Aus „Dōgyō Ninin“

Etappen eines Weges

Kurze Ausschnitte aus Tempelbesuchen und Begegnungen. Jeder Text hält einen Augenblick fest, ohne ihm mehr Gewissheit zu geben, als er unterwegs hatte.

Haupthalle des Ryōzen-ji mit erleuchteten Laternen
01Ryōzen-ji · Tempel 1

Derselbe Ort, ein anderer Blick

Nur wenige Minuten sind vergangen, seit ich den Ryōzen-ji zum ersten Mal betreten und den Pilgerladen besucht habe – und doch fühlt es sich an, als lägen Welten dazwischen. Vorhin war ich noch Besucher, vielleicht ein Suchender oder bloß ein stiller Beobachter. Jetzt trage ich die WagesaWagesa 輪袈裟
Schmale Stola des Pilgers, abgeleitet vom Kesa, dem Gewand buddhistischer Mönche. Zeichen des Pilgerstatus und der Zugehörigkeit zur Praxis des Henro.
, jene schmale Stola, die den Pilgerstatus anzeigt, und dazu das HakueHakue 白衣
Weißes Pilgergewand des Henro. Das Hakue kennzeichnet den Pilger und steht für die Ernsthaftigkeit seines Weges. Eine verbreitete Deutung verbindet das weiße Gewand außerdem mit dem traditionellen Totengewand.
, das weiße Pilgerhemd.

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Mit der Kleidung verändert sich mehr als mein Äußeres. Sie markiert den Übergang in einen Raum, der dem Alltag entrückt ist. Ich kehre zurück als jemand, der diesen Weg betreten hat – noch nicht vollständig Henro, aber mit einem Bewusstsein, das sich gewandelt hat. Der Tempelbereich wirkt auf einmal verdichteter. Mein Blick bleibt am HondōHondō 本堂
Haupthalle eines buddhistischen Tempels, in der der Honzon verehrt wird.
hängen: breite Steinstufen, massive Holzbalken, dunkel und warm, und große Papierlaternen mit der Aufschrift 四国第一番 – Shikoku Nummer Eins.

Der Hondō des Ryōzen-ji, Tempel 1. · Foto: Sebastian Sachs

Ein Henro steigt die Steinstufen zum Ryūkō-ji hinauf
02Ryūkō-ji · Tempel 41

Der schweigende Weggefährte

Schon im Regionalzug fällt mein Blick auf einen anderen Henro. Ein Mann, vielleicht um die sechzig, vertieft in Bücher, Karten und lose Blätter. Als wir aussteigen, geht er einige Meter vor mir. Ruhig und zielstrebig. Ich folge ihm mit Abstand und passe mich seinem Tempo an. Der Weg ergibt sich aus der Bewegung eines anderen.

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Wir wechseln kein Wort. Zwei Pilger im weißen Gewand, verbunden durch dieselbe Richtung. Der Abstand zwischen uns bleibt bestehen. Als er vor dem Tempel stehen bleibt und ich wenig später ankomme, endet unser gemeinsamer Weg. Für eine kurze Strecke waren wir eine Gemeinschaft – mein unbekannter, schweigender Weggefährte und ich.

Ein Henro auf den Stufen zum Ryūkō-ji, Tempel 41. · Foto: Sebastian Sachs

Hölzernes Tempeltor des Meiseki-ji
03Meiseki-ji · Tempel 43

Spuren des Weges

Ich erreiche den Meiseki-ji am späten Nachmittag. Stille liegt über dem Gelände. Aus der Ferne das Krächzen einer Krähe. Letzte Sonnenstrahlen durchbrechen das Blätterdach über dem großen Niōmon. Im Hondō schimmert der goldene Senju Kannon im Halbdunkel. Braune Blätter lösen sich von den Ästen eines Ginkgobaums und sinken langsam zu Boden.

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Vor dem Altar markiert ein eisernes Gitter die Grenze zum Raum unter der Halle. Der Anblick ist ungewohnt. Andernorts nimmt meist eine hölzerne Saisen-bakoSaisen-bako 賽銭箱
Opferkasten für Geldgaben vor Tempeln und Schreinen.
, ein Opferkasten, die Münzen der Besucher auf. Ich werfe eine Münze durch das Gitter. Aus der Tiefe steigt ein heller, metallischer Klang empor. Er breitet sich im Raum aus und verliert sich allmählich in der Stille.

Dann nehme ich die letzten drei Räucherstäbchen aus meiner Tasche. Sie stehen, so wird es oft erklärt, für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der lange Weg hat sie gezeichnet. Einige Stellen sind gebrochen, die Kanten ausgefranst. In diesen Spuren scheint die zurückgelegte Strecke bewahrt: kalte Morgenstunden, weite Tempelhöfe und das wiederholte Öffnen der Tasche.

Ich entzünde sie an der Flamme meiner Kerze. Dünne Rauchfäden steigen empor. Die Spuren des Weges werden Teil der Gabe. Und während sie langsam verglimmen – Namu Daishi Henjō KongōNamu Daishi Henjō Kongō 南無大師遍照金剛
Mantra der Daishi-Verehrung. Namu bezeichnet Verehrung oder Zuflucht. Henjō Kongō lässt sich als „alles erhellender Vajra“ wiedergeben.
.

Meiseki-ji, Tempel 43, am späten Nachmittag. · Foto: Sebastian Sachs

Tempelhof und Pagode des Ishite-ji im morgendlichen Licht
04Ishite-ji · Tempel 51

Ein Wintermorgen

Es ist noch dunkel, als dieser Tag beginnt. Das klare Schwarz eines Wintermorgens, in dem jeder Atemzug sichtbar wird. Die Temperatur liegt bei null Grad. In meiner Tasche befinden sich NenjuMala / Nenju 念珠
Buddhistische Gebetskette. Der Sanskritbegriff lautet Mālā, die japanische Bezeichnung Nenju oder Juzu. Der Pilger hält sie während des Gebets und der Rezitation in den Händen.
, Wagesa und Hakue. Ich lege die Pilgerkleidung an und trete hinaus in die Kälte.

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Nach einer halben Stunde erreiche ich den Ishite-ji. Am TemizuyaChōzuya / Temizuya 手水舎
Anlage mit einem Wasserbecken am Eingang von Schreinen und buddhistischen Tempeln. Dort vollzieht der Besucher mit einer Hishaku das Temizu und reinigt vor dem Gebet Hände und Mund.
lasse ich das kalte Wasser aus der Schöpfkelle über meine Finger gleiten. Zuerst reinige ich die linke Hand, dann die rechte, danach den Mund.

Ein Tempeldiener kehrt den Vorplatz. Er arbeitet mit einer Sorgfalt, die an das Ordnen eines Steingartens erinnert. Das gleichmäßige Streichen des Besens ist weithin zu hören.

Ich durchschreite das NiōmonNiōmon 仁王門
Tempeltor mit den beiden Niō als Wächtern des Tempelbereichs: Agyō mit geöffnetem und Ungyō mit geschlossenem Mund. Niōmon bezeichnet diese besondere Torform. Sanmon ist eine allgemeinere Bezeichnung für das Haupttor eines buddhistischen Tempels.
. Dahinter öffnet sich der weite Tempelhof mit Hondō, DaishidōDaishidō 大師堂
Halle innerhalb eines Tempelbezirks, in der Kōbō Daishi verehrt wird. Beim Shikoku-Henro besucht der Pilger den Daishidō gewöhnlich nach dem Hondō und spricht dort das Mantra Namu Daishi Henjō Kongō.
und dem großen bronzenen VajraVajra / Kongōsho 金剛杵
Ritualgerät des esoterischen Buddhismus. Der Vajra geht auf eine indische Waffe zurück und steht im Buddhismus für die unzerstörbare Kraft und Klarheit der Lehre.
. Erste Sonnenstrahlen erwärmen das jahrhundertealte Holz der großen Pagode.

Der Tempelhof des Ishite-ji am frühen Morgen. · Foto: Sebastian Sachs

Große buddhistische Tempelglocke in einem hölzernen Glockenturm mit waagerecht aufgehängtem Shumoku
05Enmyō-ji · Tempel 53

Was die Glocke ankündigt

Ein weiterer Wintertag, kalt und klar. Vom Hang des Taisan-ji, Tempel 52, führt der Henro-michi hinab in die Ebene. Entlang der Reisfelder und stillen Straßen markieren hölzerne Hinweistafeln die Richtung. Am Rand Matsuyamas steht unvermittelt das Tor des Enmyō-ji vor mir, des letzten Tempels dieses Tages.

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Am Eingang treffe ich das ältere Pilgerpaar wieder. Ein Lächeln, eine Verbeugung. Mit respektvollem Abstand folge ich ihnen durch das Tor. Sie reinigen Hände und Mund am Temizuya und gehen zum ShōrōShōrō 鐘楼
Glockenturm eines buddhistischen Tempels, in dem die Bonshō hängt.
. Der Mann zieht den ShumokuShumoku 撞木
Waagerecht aufgehängter hölzerner Schlagbalken, mit dem eine Bonshō angeschlagen wird.
zurück und lässt ihn langsam gegen die BonshōBonshō 梵鐘
Große, meist aus Bronze gegossene Glocke eines buddhistischen Tempels. Sie wird mit einem hölzernen Shumoku an der dafür vorgesehenen Schlagfläche, dem Tsukiza, angeschlagen.
schwingen. Ein tiefer Ton erfüllt das Gelände. Das Paar verharrt mit gesenkten Köpfen, bis der Klang verklingt. Erst danach gehen beide zum Hondō.

An mehreren Tempeln habe ich die Glocke zuvor aus Dankbarkeit beim Abschied angeschlagen. Später erfahre ich, dass ein solcher Anschlag als Modori-ganeModori-gane 戻り鐘
Bezeichnung für das Anschlagen der Tempelglocke nach dem Gebet oder beim Verlassen des Tempels. In der Henro-Praxis gilt die Rückkehrglocke als ungünstig und wird deshalb vermieden.
, als Rückkehrglocke, gemieden wird. Die Glocke kündigt das Ankommen an.

Das Ehepaar, dem ich an diesem Tag zum zweiten Mal begegne, zeigt mir die richtige Reihenfolge wortlos.

Eine Bonshō mit hölzernem Shumoku in einem buddhistischen Tempel in Japan. · Foto: Sebastian Sachs

06

日本の皆さまへ

はじめまして。ドイツに住み、区切り打ちで四国遍路を歩いております、セバスティアン・ザックスと申します。

このサイトでは、海外から訪れた一人の巡礼者として見た四国遍路を、ドイツ語・英語・日本語でお伝えしております。学習教材「四国遍路を知る」の日本語版もご用意いたしました。言葉づかいや説明に不自然な点、誤りなどがございましたら、ご指摘いただけますと幸いです。

ご感想やご意見は、下記のメールアドレスまでお寄せください。

四国で出会った皆さまのご親切に、心より感謝申し上げます。

合掌 セバスティアン・ザックス

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sebsachs@web.de

Pilgerhut, Pilgerstab und Rucksack auf einer Bank
Pilgerausrüstung unterwegs: Sugegasa, Kongō-zue und Rucksack. · Foto: Sebastian Sachs

03 · Aufbruch

Manche Reisen beginnen mit einem Unbehagen.

Mit dem Gefühl, dass etwas im eigenen Leben zu laut geworden ist – oder zu leer. Dass Wege, die man lange gegangen ist, zwar vertraut, aber nicht mehr tragend sind. Dass Erklärungen nicht mehr reichen.

Ich bin nicht nach Japan gereist, um Antworten zu finden. Ich bin gereist, weil mir die Fragen abhandengekommen waren.

Pilgern ist in diesem Sinn vor allem eine Haltung: eine Form der Aufmerksamkeit und des Durchhaltens, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Der Shikoku-Henro erschien mir als ein Weg, auf dem ich mich selbst infrage stellen darf, auch das, was mich bisher ausgemacht hat.

Wie lange er dauert und in welchen Abschnitten er gegangen wird, bleibt jedem selbst überlassen.

04 · Den Henro verstehen

Darstellung Kōbō Daishis am Shusshaka-ji vor dem Gahaishi-san
Shusshaka-ji, Tempel 73, am Fuß des Gahaishi-san. Der Überlieferung nach stürzte sich Kūkai hier als Siebenjähriger vom Berg und wurde von Shaka Nyorai gerettet. · Foto: Sebastian Sachs

Kūkai · 774–835

Kūkai – der Begleiter des Henro

KūkaiKūkai 空海
Buddhistischer Mönch (774–835), der die Shingon-Schule in Japan begründete. Im Jahr 921 verlieh Kaiser Daigo ihm den Ehrentitel Kōbō Daishi.
wurde 774 in Sanuki auf Shikoku geboren. Der Mönch und Dichter reiste zu Beginn des 9. Jahrhunderts in das China der Tang-Dynastie. Dort studierte er bei Huiguo, auf Japanisch Keika, den esoterischen Buddhismus. Nach seiner Rückkehr begründete er in Japan die Shingon-SchuleShingon 真言
Japanische Schule des esoterischen Buddhismus (Vajrayāna), gegründet von Kūkai im frühen 9. Jahrhundert.
, die japanische Tradition des Vajrayāna-BuddhismusVajrayāna / Mikkyō 金剛乗・密教
Esoterische Richtung des Buddhismus. In Japan wird für Shingon meist der Begriff Mikkyō verwendet.
.

Der Überlieferung nach trat Kūkai im Jahr 835 im Oku-no-in auf dem Kōya-sanKōya-san 高野山
Heilige Bergregion auf der Kii-Halbinsel und Zentrum des Shingon-Buddhismus.
, einem heiligen Berg südlich von Ōsaka, in NyūjōNyūjō 入定
Religiöser Fachbegriff für den Eintritt in tiefe meditative Versenkung. Nach der bis heute lebendigen Glaubenstradition befindet sich Kōbō Daishi im Oku-no-in auf Kōya-san weiterhin in tiefer meditativer Versenkung.
ein. Nach der bis heute lebendigen Glaubenstradition befindet er sich dort weiterhin in tiefer meditativer Versenkung. Im Jahr 921 verlieh Kaiser Daigo ihm den Ehrentitel Kōbō DaishiKōbō Daishi 弘法大師
Ehrentitel des Mönchs Kūkai. Beim Shikoku-Henro wird Kōbō Daishi als geistiger Begleiter jedes Pilgers verehrt.
. Ehrerbietig und vertraut wird er auch Odaishi-samaOdaishi-sama お大師さま
Ehrerbietige und vertraute Bezeichnung für Kōbō Daishi.
genannt.

Den Namen Henjō Kongō erhielt Kūkai in China während seiner esoterisch-buddhistischen Initiation durch Huiguo. Das Mantra Namu Daishi Henjō KongōNamu Daishi Henjō Kongō 南無大師遍照金剛
Mantra der Daishi-Verehrung. Namu bezeichnet Verehrung oder Zuflucht. Henjō Kongō lässt sich als „alles erhellender Vajra“ wiedergeben.
bringt die Hinwendung zu Kōbō Daishi zum Ausdruck. Namu bezeichnet Verehrung oder Zuflucht. Henjō Kongō lässt sich als „alles erhellender Vajra“ wiedergeben.

Steintreppe und Tempelhalle des Byōdō-ji
Steintreppe und Tempelhalle des Byōdō-ji, Tempel 22. · Foto: Sebastian Sachs

Weg und Pilger

Der Name bezeichnet den Weg – und den Menschen auf ihm.

Der Shikoku-HenroHenro / Ohenro-san 遍路・お遍路さん
Bezeichnung für den Shikoku-Pilgerweg (Henro-michi) und zugleich für den Pilger, der ihn geht. Der Weg verbindet 88 Tempel auf der Insel Shikoku auf rund 1.200 Kilometern. Ohenro-san ist eine respektvolle Anrede für einen Pilger.
verbindet 88 Tempel auf einer Strecke von rund 1.200 Kilometern. Der Weg verläuft durch die vier Präfekturen Shikokus, an der Küste entlang und hinauf zu abgelegenen Bergtempeln. Wer ihn geht, ist selbst ein Henro, respektvoll Ohenro-san genannt.

Der Weg folgt keiner verpflichtenden Reihenfolge. Ein Pilger kann bei Tempel 1 beginnen, an einer anderen Stelle einsetzen oder die Route in umgekehrter Richtung gehen. Wie er sich fortbewegt, entscheidet jeder Pilger selbst: zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Auch nach dem Besuch aller Tempel bleibt der Henro offen.

Zur Pilgerausstattung gehören HakueHakue 白衣
Weißes Pilgergewand des Henro. Das Hakue kennzeichnet den Pilger und steht für die Ernsthaftigkeit seines Weges. Eine verbreitete Deutung verbindet das weiße Gewand außerdem mit dem traditionellen Totengewand.
, WagesaWagesa 輪袈裟
Schmale Stola des Pilgers, abgeleitet vom Kesa, dem Gewand buddhistischer Mönche. Zeichen des Pilgerstatus und der Zugehörigkeit zur Praxis des Henro.
, SugegasaSugegasa 菅笠
Traditioneller geflochtener Pilgerhut als Schutz vor Sonne und Regen.
und der Pilgerstab Kongō-zueKongō-zue 金剛杖
Pilgerstab des Henro und sichtbares Zeichen des Dōgyō Ninin. Er gilt sinnbildlich als Kōbō Daishi und wird deshalb mit besonderem Respekt behandelt.
. Hinzu kommen NenjuMala / Nenju 念珠
Buddhistische Gebetskette. Der Sanskritbegriff lautet Mālā, die japanische Bezeichnung Nenju oder Juzu. Der Pilger hält sie während des Gebets und der Rezitation in den Händen.
, Pilgertasche, NōkyōchōNōkyōchō 納経帳
Das Pilgerbuch des Shikoku-Henro. Nōkyō bedeutet wörtlich die Darbringung eines Sutras. Nach der Rezitation am Hondō und am Daishidō oder der Abgabe einer Sutraabschrift erhält der Pilger an der Nōkyōsho eine Kalligrafie und die roten Siegel des Tempels. Der Eintrag dokumentiert damit traditionell die religiöse Praxis und den Besuch des jeweiligen Fudasho. Ein Nōkyōchō ist kein gewöhnliches Stempelalbum.
und beschriftete Osame-fudaOsame-fuda 納札
Pilgerpapier, auf dem der Henro Namen, Anschrift, Datum und einen Wunsch eintragen kann. Er legt je ein Osame-fuda am Hondō und am Daishidō in den dafür vorgesehenen Kasten. Nach einem Osettai kann er dem Geber ein Osame-fuda als Dank überreichen.
. An den Tempeln werden traditionell Kerzen und Räucherstäbchen entzündet und Osame-fuda in einen eigenen Kasten gelegt. Einige Tempel bieten Pilgerherbergen, sogenannte ShukubōShukubō 宿坊
Unterkunft in oder bei einem Tempel, die auch Pilgern offenstehen kann.
, an.

Kagawa香川Tokushima徳島Kōchi高知Ehime愛媛
88Tempel
1.200Kilometer, rund
4Präfekturen
Darstellung Kōbō Daishis am Temizuya eines Tempels
TemizuTemizu 手水
Rituelle Reinigung am Chōzuya mit einer Hishaku. Zuerst wird die linke Hand gereinigt, anschließend die rechte und danach der Mund. Das Wasser für den Mund nimmt der Besucher aus der hohlen Hand. Zum Schluss spült er die linke Hand noch einmal und lässt das restliche Wasser über den Griff der Kelle laufen.
– die rituelle Reinigung von Händen und Mund vor dem Gebet. Eine seltene Darstellung Kōbō Daishis am Temizuya. · Foto: Sebastian Sachs

Die Tempel geben dem Henro seine sichtbare Ordnung. Dazwischen liegt der eigentliche Weg: Straßen, Küsten, Wälder und Berge, Momente der Nähe und lange Strecken allein.

Die Zahlen stehen für die 88 FudashoFudasho 札所
Bezeichnung für die 88 offiziellen Pilgertempel des Shikoku-Henro.
und damit für die Vollständigkeit des Henro.

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Lernmodul · Pilotversion

Den Henro verstehen

20 Lernkarten mit Zeichnungen und 20 Fragen zum Pilgerweg und zur Praxis an den Tempeln. Ab 16 richtigen Antworten gibt es eine Urkunde.

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Erste Schritte auf Japanisch

Wörter und Wendungen für unterwegs und am Tempel, mit Kanji, Kana und Umschrift.

Japanisch üben
Glossar

69 Begriffe zum Nachschlagen

Begriffe des Shikoku-Henro und der Tempelpraxis, nach Themen geordnet und mit Kanji.

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Weiterführende Literatur

Eine Auswahl der Literatur, mit der ich für die Bücher arbeite.

  • Bohner, Alfred (2011): Wallfahrt zu Zweien. Die 88 Heiligen Stätten von Shikoku. Hg. von David C. Moreton. 2. Aufl. Bremen: Europäischer Hochschulverlag.
  • Hakeda, Yoshito S. (1972): Kūkai: Major Works. New York: Columbia University Press.
  • Kawauchi, Shōen (2017): 三教指帰と空海:偽撰の文章論. Kyōto: Hōzōkan.
  • Reader, Ian (2005): Making Pilgrimages: Meaning and Practice in Shikoku. Honolulu: University of Hawaiʻi Press.
  • Reader, Ian / Tanabe, George J. (1998): Practically Religious: Worldly Benefits and the Common Religion of Japan. Honolulu: University of Hawaiʻi Press.

05 · Der Autor

Daishidō des Tairyū-ji in einem Bergwald
Der Daishidō des Tairyū-ji, Tempel 21. Der Bergtempel wird auch als „Kōya-san des Westens“ bezeichnet. · Foto: Sebastian Sachs

Warum ich darüber schreibe

Mein Interesse am Buddhismus reicht bis zu einer Reise nach Sri Lanka im Jahr 1998 zurück. Ich verbrachte eine Woche in einem Kloster nahe Dambulla, betete und meditierte in einem Höhlentempel, vollzog vorsichtig erste religiöse Rituale. Diese Erfahrungen vertieften und veränderten meinen Blick auf Religion. Spätere Reisen nach Thailand und Kambodscha erweiterten mein Verständnis der Theravāda-Tradition.

2024 reiste ich erstmals nach Japan. Die Verbindung von Buddhismus und Shintō, die alten Pilgerwege und die bis heute gelebten Rituale weckten den Wunsch, den Shikoku-Henro zu gehen. Aus meinen Reiseaufzeichnungen und religionswissenschaftlichen Fragen entstehen seither zwei Bücher.

Das Hauptwerk soll persönliche Erfahrungen mit der Reflexion religiöser Praxis verbinden und von Tempeln, Begegnungen und dem Alltag des Pilgerns erzählen. Ich bin noch mitten im Schreiben, so wie ich mich weiterhin auf dem Henro befinde.

Sebastian Sachs

Ich bin Sebastian Sachs, Erziehungswissenschaftler und Autor. Studiert habe ich auch Religionswissenschaft. Seitdem reise ich regelmäßig nach Japan. Bevor ich 2025 den Shikoku-Henro für mich entdeckte, führten mich meine Reisen unter anderem auf den Kumano Kodō und zu weiteren bedeutenden Pilgerorten des Landes.

Am Henro interessieren mich besonders die religiöse Praxis in den Tempeln und die Vielfalt der dort vollzogenen Rituale. Unterwegs beobachte ich Menschen, die diesen Weg auf ihre eigene Weise gehen.

Dabei verstehe ich mich als Lernender. Mit jeder Reise entdecke ich weitere Abschnitte des Pilgerwegs und vertiefe mein Verständnis des japanischen Buddhismus.

Meine Reisenotizen erzählen vom Unterwegssein zwischen den Tempeln und vom Henro-michi, zu dem ich immer wieder zurückkehren möchte.